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        Sängerbund 1874 Heidelberg-Schlierbach e.V.
         

    125 Jahre Sängerbund Schlierbach - ein Rückblick

    Wie kam es dazu, in unserem kleinen Stadtteil einen Gesangverein zu gründen und über zwölf Jahrzehnte am Leben zu erhalten?
    Kurz nach dem Krieg, in der Mitte des Monats Juli im Jahre 1874, fanden sich einige junge schlierbacher Männer im "Jägerhaus" zusammen, um einen Männerchor zu gründen. Sie konnten sicherlich nicht erahnen, ja sie verschwendeten wahrscheinlich gar keinen Gedanken daran, damit einen Verein ins Leben zu rufen, der einmal 125 Jahre alt werden würde.

    Bereits am 24.Tag desselben Monats noch fand im "Schwarzen Schiff" die Gründungsversammlung statt. Sehr erstaunlich für das zu dieser Zeit noch sehr kleine und dörfliche Schlierbach, dass sich bereits an diesem Abend 32 aktive und 34 passive Mitglieder beim Verein, dem man den Namen "Sängerbund 1874" gab, anmeldeten.

    Diese relativ große Anmeldungszahl lässt sich mit Sicherheit mit der damaligen Modeerscheinung, einem Verein anzugehören, erklären. Wie fast überall üblich, so beauftragte man auch hier den Schulmeister mit der Einstudierung des Liedgutes.

    Die Sänger waren sehr schnell in der Lage, kleine Feiern und Liederabende zu veranstalten und sich bei Festen befreundeter Vereine, besonders aus Ziegelhausen, zu beteiligen.

    Die erste Jahreshauptversammlung wurde im zweiten Gründungsjahr, am 28. August 1875, abgehalten. Hier wurde die Verwaltung gewählt und Kassenberichte erstattet.

    Hier einige Auszüge aus dieser Versammlung:                          

      1. Bei der abgehaltenen Generalversammlung wurden die Rechnungen verlesen und geprüft. Es ergab sich ein Überschuss von 96 Mark.

      2. Sodann wurden folgende Mitglieder als Verwaltungsräte mit Stimmenmehrheit gewählt:

       Als Vorstand: Friedrich Schneider, als Rechner: Georg Weller, als Schriftführer: Karl Bommer und als Chorleiter: Herr Lehrer Brehm.

      3. Es wurde beschlossen, mit dem Betrag von 29 Mark und 80 Pfennige die zweite Hälfte der Schuld am Klavier zu decken. Es wurde eine Sammlung durchgeführt, welche 22 Mark und 6 Pfennige ergab. Es fehlten noch 7 Mark und 74 Pfennige, die der Vorstand vorschoss.

      4. Es wurde beschlossen, den Badischen Sängerboten als Vereinsblatt zu halten.

      5. Es wurde beschlossen, dass aufzunehmende Mitglieder statt das 18te das 20te Lebensjahr "zurückgelegt" haben müssen.

    Der Chor etablierte sich sehr schnell als feste Größe in unserem Stadtteil. Man war auch ein wenig stolz darauf, den ersten Verein in Schlierbach gegründet zu haben. Erst viele Jahre später entstanden der Turnverein und die Freiwillige Feuerwehr.

    Es entwickelte sich ein reges Geschehen. Man trat dem Badischen Sängerbund bei und weihte am 1. Juli 1883 "Auf dem Wolfsbrunnen" die neue Vereinsfahne ein. Dabei "fungierte" die Heidelberger Militärkapelle als Festmusik.                                       

    Im Jahre 1899 fand aus Anlass des 25jährigen Bestehens ein Festbankett unter Mitwirkung der "Liedertafel" Ziegelhausen im Gasthaus "Zum Jägerhaus" statt.

    Die kommenden Jahre verliefen ebenso ereignisreich mit vielen Festen, Tanzabenden und Freundschaftssingen. Einige davon wurden im heute nicht mehr bestehenden Gasthaus "Zum Rosenbusch" abgehalten.           

    Das vorübergehende Ende der Sängertätigkeit war im Jahre 1914 wegen des hereinbrechenden Krieges erreicht. Insgesamt 31 Mitglieder standen "Im Dienste des Vaterlandes", leider mussten 5 junge Männer aus Schlierbach ihr junges, hoffnungsvolles Leben lassen.

    Trotz kleiner Sängerzahl begann man 1919 wieder mit den Chorproben, es ging langsam wieder aufwärts. Gartenfeste, Liederabende, Weihnachtsfeiern, Gedenkfeiern auf dem Friedhof wurden durchgeführt.

    Sowohl das 50jährige als auch das 60jährige Vereinsjubiläum wurden jeweils im kleinerem Rahmen unter Beteiligung befreundeter Vereine und Musikgemeinschaften gefeiert.

    Bedauerlicherweise musste im Jahre 1939 erneut die Sängertätigkeit wegen des beginnenden Weltkrieges eingestellt werden.

    Mit Freude gingen die "Sängerbündler" 1949, im 75. Gründungsjahr daran, die Sängerschar wieder zusammenzurufen.                                              Nach oben

    Während der 70. Jahreshauptversammlung am 13. Februar 1949 gedachte man der gefallenen und verstorbenen Mitglieder während der Kriegsjahre.

    Das Jubiläum wurde mit einem Festbankett am 3. September 1949 im "Schwarzen Schiff" in bescheidenem Rahmen begangen. Ein großes Fest abzuhalten, war zu jener Zeit noch nicht möglich. Dies sollte 5 Jahre später zum 80. Stiftungsfest "nachgeholt" 'werden.

    Das 80. Stiftungsfest vom 3. bis 5. Juli 1954. Ein großes Festzelt, in dem nahezu achthundert Leute Platz fanden, wurde auf dem heutigen Campingplatz "Neckartal" unterhalb des Gutleuthofweges aufgestellt.

    Dies war nur unter schwersten Anstrengungen möglich, war doch damals noch die Konstruktion des Gerüstes aus schwerem Holz und auch das Auflegen der derben Leinenplanen gelang nur mit größter Mühe. Doch all die Plagen wurden belohnt, auch der Wettergott hatte schöne Tage bereitgestellt, es wurde ein sehr schönes, harmonisches Fest, das vielen älteren Mitbürgern in angenehmer Erinnerung bleiben wird.

    Die Teilnehmer zogen mit einem Festzug vom Schulhaus über die Schlierbacher Landstraße (heute kaum noch vorstellbar) in das Festzelt ein.

    Viele Lieder wurden gesungen, es wurde getanzt, geschunkelt und gelacht.

    Es war eben damals noch etwas leichter, sich miteinander zu freuen!          

    Die Jahre des Aufschwungs, die so genannten Wirtschaftswunderjahre, gingen auch am Sängerbund nicht spurlos vorüber - im positiven wie auch im negativen Sinne.

    Zwar konnten noch viele Feste, Ausflüge und Sängerreisen durchgeführt werden, es lässt sich jedoch nicht leugnen, dass die Sängerzahl in dieser Zeit sehr zu wünschen übrig ließ.

    Bald näherte sich das Jahr 1974, das Jahr des 100jährigen Bestehens!

    Der Vorstandschaft gelang es, durch emsiges Bemühen und persönliche Ansprachen einen nahezu 50 Mann starken Chor um sich zu scharen. Dadurch war man nun in der Lage, das Fest zu planen und das große Vorhaben anzupacken. Dies war kein leichtes Unterfangen, war es doch um einen geeigneten Festplatz noch schlechter bestellt als zuvor. Durch die neue Straßenführung gab es keinen brauchbaren Zugang mehr zum Campingplatz, das "Turnplätzl" war zu klein und der Sportplatz an der Klinik war zu weit entfernt. Und nach Ziegelhausen auf das "Kucheblech" auszuweichen, das ließ der "Schlierbacher Stolz" nicht zu! Also versuchte man es, mit Hilfe und Genehmigung des Forstamtes und der Stadtverwaltung, auf dem Waldfestplatz. Der Platz wurde etwas aufgefüllt, die Straße gesperrt und siehe da, es gelang, ein Festzelt aufzustellen, das 800 Menschen Platz bot. Das Fest, vom 12. bis 15. Juli 1974, wurde ein voller Erfolg. Über tausend Sängerinnen und Sänger besuchten uns während dieser Tage und brachten ihre Chöre zum Vortrag. Auch der große bunte Abend mit der beliebten Mainzer Sängerin Margit Sponheimer bleibt in angenehmer Erinnerung.

    In den Folgejahren nahm die Stärke des Chores, wie eigentlich immer nach großen Festlichkeiten, stark ab. Man musste sich Gedanken machen, wie es weitergehen sollte.

    Der Frauen- und gemischte Chor wurde ins Leben gerufen.                 

    Eine großartige Idee!                                             Nach oben

    Von nun an ging es wieder steil bergauf. Der Chor war durch seine Stärke und sein Können in der Lage, sich an berühmte Werke aus Oper und Operette sowie an geistige Musik heranzuwagen. Er konnte seine Leistungsfähigkeit bei vielen eigenen Konzerten und Liederabenden unter Beweis stellen. Unzählige Auftritte zur damaligen Zeit, auch im Ausland, waren das Ergebnis eben dieser Leistungsfähigkeit.

    An dieser Stelle sei dem Unterzeichner erlaubt, Herrn Magister Martin Karpinski für seine hervorragenden Verdienste um den Verein zu danken.

    Er leitet den Chor seit über 25 Jahren und vermag noch immer, den Sängerlnnen und Sängern durch seine Geduld, seine besten pädagogischen und musikalischen Fähigkeiten, das Singen mit Freude zu vermitteln und den Chor zu höchster Leistung anzuspornen.

    Es ist mit auch sein Verdienst und es ist der Verdienst der Vorstandschaft und der Sänger, dass der Sängerbund auch heute noch in dieser für Vereine nicht leichten Zeit in der Lage ist, seine kulturelle Aufgabe zu erfüllen.

    Der Sängerbund und seine Mitglieder dürfen mit berechtigtem Stolz auf 125 Jahre des Bestehens zurückblicken.

    Robert Fath

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